Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Sie ist die häufigste Herzrhythmusstörung und bleibt trotzdem oft lange unbemerkt. Im November steht das Vorhofflimmern im Mittelpunkt der bundesweiten Herzwochen. Dafür gibt es gute Gründe.
In Deutschland leben schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Europaweit erkrankt mindestens jeder Dritte irgendwann im Leben daran. Tückisch ist, dass die Rhythmusstörung nicht immer Beschwerden macht. Wer sie nicht bemerkt, lässt sie auch nicht behandeln, und das kann gravierende Folgen haben: Auf Vorhofflimmern gehen 20 bis 30 Prozent der Schlaganfälle zurück, die durch ein verschlossenes Hirngefäß entstehen. Langfristig kann sich außerdem eine Herzschwäche entwickeln, und auch das Demenzrisiko steigt.
„Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorkammern des Herzens nicht mehr geordnet, sondern zucken unkoordiniert. Dadurch fließt das Blut dort langsamer, und es können sich Gerinnsel bilden. Lösen sie sich, können sie mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäß verstopfen“, erklärt der in Berlin-Prenzlauer Berg praktizierende Kardiologe und Internist Peter Hoffmann.
Auf den Puls achten
Mögliche Anzeichen sind Herzstolpern, ein unregelmäßiger und oft beschleunigter Puls, Kurzatmigkeit oder ein Engegefühl in der Brust. Wer den eigenen Puls hin und wieder fühlt, kann erste Auffälligkeiten selbst bemerken. Auch beim Hausarzt oder in der Apotheke lässt sich der Puls prüfen. Klarheit bringt ein EKG, bei Bedarf über 24 Stunden oder länger. Bei anhaltendem Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder einer kurzen Ohnmacht sollte man nicht abwarten, sondern die Beschwerden umgehend ärztlich abklären lassen.
Steht die Diagnose fest, gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Gerinnungshemmende Medikamente senken das Schlaganfallrisiko deutlich, andere Arzneimittel stabilisieren den Herzrhythmus. Zudem lässt sich das Vorhofflimmern häufig mit einem Kathetereingriff dauerhaft beseitigen. Dabei werden die Stellen im Herzmuskel verödet, von denen die störenden elektrischen Signale ausgehen, entweder mit Hitze, mit Kälte oder mit ultrakurzen Stromimpulsen.
