Kraftsport schützt Frauenherzen stärker als bisher bekannt

Dass man (und frau) dem Herz-Gefäß-System mit Ausdauersport einen großen Gefallen tut, ist allseits bekannt. Neuere Forschungen zeigen indes: Auch regelmäßiges Krafttraining senkt das Herzinfarktrisiko bei Frauen signifikant.

Schon zwei Wochenstunden mit Gewichten, Hanteln oder Körpergewichtsübungen reichen aus: Frauen, die dieses Pensum einhalten, tragen laut einer im „Journal of the American College of Cardiology“ erschienenen Langzeitauswertung mit über 117.000 Teilnehmerinnen ein um 44 Prozent niedrigeres Herzinfarktrisiko als Frauen, die kein Krafttraining betreiben. Ihr Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse insgesamt reduziert sich um rund 20 Prozent. Wer Kraft- und Ausdauertraining kombiniert, senkt das Gesamtrisiko laut Studie sogar um 40 Prozent. Auf das Schlaganfallrisiko hatte das Krafttraining dagegen keinen messbaren Einfluss.

Dass Muskelkraft nicht nur Rücken und Körperhaltung unterstützt, sondern tief ins Herz-Kreislauf-System eingreift, zeigt auch eine von der British Heart Foundation mitfinanzierte Untersuchung der Universität Edinburgh, die CT-Herzbildgebungsdaten von 1.722 Personen mithilfe von KI ausgewertet hat: Menschen mit dichterer, qualitativ besserer Muskulatur im Brust- und Rückenbereich hatten ein um rund ein Drittel niedrigeres Herzinfarktrisiko, unabhängig von anderen kardiovaskulären Faktoren wie dem Koronarkalk-Score. Beide Studien wurden im Sommer 2026 veröffentlicht.

„Kardiovaskuläre Reserve“
„Muskeln sind ein aktives Organ. Sie regulieren den Blutzucker, beeinflussen Entzündungsmarker und entlasten das Herz durch effizientere Stoffwechselprozesse“, erklärt der in Berlin-Prenzlauer Berg praktizierende Kardiologe und Internist Peter Hoffmann. „Frauen, die im mittleren Lebensalter gezielt Muskelkraft aufbauen, investieren dabei nicht nur in ihre Beweglichkeit, sondern in eine kardiovaskuläre Reserve, die ihnen in der zweiten Lebenshälfte zugutekommen kann.“

Die Botschaft beider Studien ist ermutigend, weil sie die Einstiegshürde niedrig hält: Nicht stundenlange Trainingseinheiten sind entscheidend, sondern Kontinuität. Zweimal pro Woche Krafttraining in moderater Intensität – das entspricht bereits dem Schwellenwert, ab dem sich in der Auswertung der Schutzeffekt zeigte. Wer bisher ausschließlich auf Ausdauersport gesetzt hat, kann diesen getrost beibehalten. Und idealerweise durch gezielte Kräftigungsübungen ergänzen.