Unterschätzter Risikofaktor für die Herzgesundheit: Schlafapnoe

Wer nicht gut schläft, fühlt sich tagsüber schlapp – das liegt auf der Hand. Dass gestörter Schlaf aber auch das Herz dauerhaft schädigen kann, ist vielen nicht bewusst. Zwei aktuelle Studien liefern dazu alarmierende Daten.

Der Körper nutzt den Schlaf nicht nur zur Erholung. In der Nacht reguliert er das gesamte Kreislaufsystem: Der Blutdruck gibt nach, die Herzfrequenz verlangsamt sich, die Gefäße weiten sich, Entzündungsmarker sinken. Wird dieser Prozess Nacht für Nacht durch Atemaussetzer oder häufiges Aufwachen unterbrochen, fehlt dem Herzen genau diese Phase der Entlastung. Und das kann gravierende Folgen haben.

Forscher der Yale School of Medicine haben dazu im „Journal of the American Heart Association“ erschienene Daten von fast einer Million Menschen ausgewertet. Ihr Befund: Wer sowohl an Schlafapnoe als auch an chronischer Schlaflosigkeit leidet, trägt ein erheblich höheres Risiko für Bluthochdruck und schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Patienten, bei denen nur eine der beiden Störungen vorliegt. Die Kombination aus erschwertem Ein- oder Durchschlafen und nächtlichen Atemaussetzern potenziert das kardiovaskuläre Risiko – weil sich die Belastungen wechselseitig verstärken, statt sich zu neutralisieren.

„Schlafbezogene Atmungsstörungen werden im klinischen Alltag oft als Randthema behandelt. Dabei kann Schlafapnoe unbehandelt dauerhaft die Herzfrequenz erhöhen, den Blutdruck in die Höhe treiben und eine chronische Aktivierung des sympathischen Nervensystems unterhalten – alles Faktoren, die das Herzinfarktrisiko steigern“, erklärt der in Berlin-Prenzlauer Berg praktizierende Kardiologe und Internist Peter Hoffmann.

Unbeständige Atemaussetzer erhöhen das Risiko
Eine ergänzende Studie im Fachjournal „Sleep“ rückt zudem einen bislang kaum beachteten Aspekt der Schlafapnoe ins Licht: Nicht allein der durchschnittliche Schweregrad der Erkrankung bestimmt das Herzrisiko, sondern auch, wie stark die Atemaussetzer von Nacht zu Nacht schwanken. Je variabler das Muster, desto höher das Risiko für gravierende kardiovaskuläre Ereignisse, unabhängig davon, wie moderat der Befund im Durchschnitt erscheinen mag.

Wer nachts schnarcht, wiederholt aufwacht oder tagsüber trotz ausreichend Schlaf erschöpft ist, sollte diese Signale ernst nehmen und der Herzgesundheit zuliebe ärztlich checken lassen, ob sich Folgeschädigungen abzeichnen oder gar schon manifestiert haben.