Nikotin ist in jeder Konsumform herzschädlich
Hartnäckig hält sich der Glaube, moderne Alternativen zur Zigarette wie Vapes, E-Zigaretten oder Shishas seien weitgehend harmlos. Nikotin allerdings begünstigt Gefäßschädigungen und Atherosklerose immer – egal wie es aufgenommen wird.
„Harm Reduction“ heißt das Stichwort, unter dem E-Zigaretten mit großem Erfolg vermarktet werden. Durch den Verzicht auf eine Verbrennung mit ihren vielen schädlichen Folgeprodukten sollen die modernen Geräte wesentlich gesünder sein als klassische Zigaretten. Durch deren Konsum sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehr als acht Millionen Menschen weltweit, davon rund 1,2 Millionen infolge Passivrauchens. Was für die meisten Menschen überraschend sein dürfte: Die meisten Todesfälle gehen nicht auf Krebserkrankungen, sondern auf Herz-Kreislauf-Leiden zurück.
Und darin liegt auch der Grund dafür, dass die Alternativen zur herkömmlichen Zigarette keineswegs harmlos sind: „Nikotin schädigt das Herz-Gefäß-System, indem es die Bildung von Stickstoffmonoxid hemmt und dessen Abbau vorantreibt. Dieses Gas erfüllt jedoch wichtige Funktionen – es verhindert, dass Blutplättchen verklumpen, und wirkt blutdrucksenkend und gefäßentspannend“, erläutert der in Berlin-Prenzlauer Berg praktizierende Kardiologe und Internist Peter Hoffmann. „In der Folge kann es zu Gefäßschädigungen und Atherosklerose kommen, was wiederum das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht.“
Suchtpotenzial wie Kokain
Diese Gefahr geht auch von tabakfreien Nikotinprodukten aus, ob E-Zigaretten, Vapes, orale Nikotinbeutel, Nikotinpflaster oder Nikotinzahnstocher. Letztere adressieren mit ihrem süßen Geschmack und ihrer spielzeugartigen Anmutung auch Kinder. Dabei hat Nikotin, das im Gehirn die Ausschüttung der „Glückshormone“ Dopamin und Serotonin ankurbelt, ein ähnliches Suchtpotenzial wie Kokain und sollte daher tunlichst von Kindern ferngehalten werden.
Dass die tabakfreien Alternativen zum Rauchen eine Brücke zur gänzlichen Enthaltsamkeit bilden, wie von vielen „Umsteigern“ erhofft, kommt in der Praxis daher auch selten vor. Gemäß der WHO schafft es nur etwa jeder zehnte E-Zigaretten-Konsument, dieses Laster abzulegen. Kurzum: Wer an Herzgesundheit interessiert ist, verzichtet komplett auf Nikotin.
